Geführte Motorradreise durch ganz Indien – vom Himalaya bis an die Küsten des Südens
Streckenverlauf
1. Tag: Flug nach New Delhi
Das Abenteuer kann beginnen.
Das Visum ist beschafft, der Impfausweis auf dem neuesten Stand, der Flug ist gebucht, die Motorradbekleidung verstaut ... und schon sitzt Ihr im Flieger, der Euch nach Indiens Hauptstadt New Delhi bringt.
Gute Reise!
Der internationale Flug nach Indien ist nicht Bestandteil der Reise. Unsere Reiseleistung beginnt mit dem Inlandsflug von New Delhi nach Srinagar (siehe Tag 2).
2. Tag: Flug nach Srinagar
Kaum in Delhi angekommen, geht es auch schon weiter. Eventuell müsst Ihr zum Domestic Airport wechseln. Dafür steht jedoch ein kostenloser Shuttle-Bus zur Verfügung. Schon hebt die Maschine mit dem Ziel Srinagar, der Hauptstadt Kaschmirs, ab. Hier warten Eure Royal Enfields bereits ungeduldig auf Euch und können es kaum erwarten, Euch sicher durch ihre Heimat zu tragen.
3. Tag: Relaxen am Nagin-See in Srinagar
Doch bevor es richtig losgeht, ist zunächst Entspannen und Kennenlernen angesagt. Auf einem der noblen Hausboote auf dem Nagin-See heißt es erst einmal ankommen – in einer für uns so fremden Welt. Genießt die Ruhe, denn schon bald wird Euch Indien ganz in seinen Bann ziehen und Euch vieles abverlangen.
Ihr werdet Euch noch nach dieser hupfreien Zeit zurücksehnen.
4. Tag: Srinagar - Kargil / ca. 200 km
Der erste Fahrtag – und gleich die erste Herausforderung. Nach einem gemütlichen Start durch die "Schweiz Indiens" erwartet uns der Zoji La, ein Viertausender-Pass, der wegen seiner oft schlechten Straßenverhältnisse zu den anspruchsvollsten Pässen unserer Reise gehört. Hoffen wir, dass es nicht regnet. Ihr werdet schon sehen, warum.
Aber keine Angst: Wir haben den Zoji La schon Dutzende Male bezwungen, und außer ein bisschen Hosenflattern ist noch nichts passiert.
Willkommen im indischen Himalaja.
5. Tag: Kargil - Lamayuro - Alchi - Leh / ca. 225 km
Kargil ist die letzte überwiegend muslimisch geprägte Stadt auf unserer Reise. Ein Spaziergang durch ihre Straßen ist eine lohnende kulturelle Entdeckungsreise. Den Unterschied zum hinter Kargil beginnenden Reich der Buddhisten werdet Ihr umso deutlicher spüren. Nach Kargil wird übrigens auch das Bier billiger. Da der Verkauf von Alkohol im islamisch geprägten Kargil stark eingeschränkt ist, lassen sich die Hotels die Befriedigung der Sucht westlicher Touristen teuer bezahlen. Hier kostet eine Flasche Kingfisher locker das Drei- bis Vierfache des üblichen Preises. Ich empfehle daher noch ein wenig Abstinenz.
Die Zeiten werden auch für Biertrinker besser.
6. Tag: Tagesausflug zum Kardung La / ca. 80 km
Eine Reise nach Ladakh ohne den Besuch des Khardung La ist wie Paris ohne Eiffelturm oder Rom ohne Kolosseum. Jahrzehntelang galt er mit seinen offiziell angegebenen 5.603 Metern als höchster befahrbarer Pass der Welt – auch wenn diese Höhenangabe schon immer umstritten war. Inzwischen haben ihm der Umling La und der Mig La den Rang längst abgelaufen. Geschadet hat ihm das allerdings nicht. Für Motorradfahrer bleibt der Khardung La einer der berühmtesten Pässe der Welt.
Nur etwa 40 Kilometer liegen zwischen Leh, der Hauptstadt Ladakhs, und dem Pass. Ein Teil der Strecke ist inzwischen neu asphaltiert, doch die letzten 15 Kilometer haben es in sich. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen On- und Offroad. Der wilde Ritt wird jedoch belohnt – mit dem unbeschreiblichen Gefühl, einen der legendärsten Orte der Motorradwelt erreicht zu haben, ganz abgesehen von einem Tee im höchstgelegenen Tee-Shop der Welt.
7. Tag: Leh - Sarchu / ca. 260 km
Wir verlassen Ladakh und machen uns auf den Weg gen Süden. Fünf hohe Pässe liegen vor uns – alle rund 5.000 Meter über dem Meeresspiegel. Ladakh heißt übersetzt „Land der hohen Pässe“. Heute werdet Ihr verstehen, warum dieser Name mehr als berechtigt ist.
Die Nacht verbringen wir in einem stationären Zeltcamp auf etwa 4.000 Metern Höhe. Doch inzwischen sollten sich unsere Körper an die Höhe gewöhnt haben, sodass wir auch diese Nacht problemlos überstehen werden.
8. Tag: Sarchu - Sissu / ca. 135 km
Auch heute erleben wir noch einmal spektakuläre Landschaften auf unserer Fahrt durch die Hochwüsten von Lahaul und Ladakh. Am Abend erreichen wir Sissu, ein idyllisches Dorf am Chandra-Fluss, wo wir die Nacht verbringen werden.
9. Tag: Sissu - Rewalsar / ca. 170 km
Der Rohtang La war über viele Jahre einer der großen Höhepunkte unserer Reisen. Obwohl er mit knapp 4.000 Metern vergleichsweise niedrig ist, hielt er fast immer eine Überraschung für uns bereit. Mal verwandelten Dauerregen und metertiefer Schlamm die Passstraße in eine einzige Rutschpartie, mal erwartete uns selbst im August knietiefer Schnee. Unvergessen sind die Momente, in denen Motorräder bis zu den Achsen im Schlamm versanken oder wir uns vorsichtig durch vereiste Passagen kämpften.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit der neun Kilometer lange Atal Tunnel eröffnet wurde, verschwindet der Verkehr kurz vor dem Pass im Berg und taucht erst auf der anderen Seite wieder auf. Das macht die Verbindung zwischen Manali und Ladakh deutlich schneller und sicherer.
Ob ich mich darüber freue? Ehrlich gesagt: nein. So anstrengend der Rohtang La manchmal auch war – sein Name bedeutet aus dem Persischen übersetzt "Berg der Leichen" – er war immer ein echtes Abenteuer. Heute fahren wir neun Kilometer durch einen Tunnel. Vernünftiger ist das allemal. Spannender war allerdings der Pass.
Am Abend erreichen wir Rewalsar, ein kleines Pilgerstädtchen, das sich um einen heiligen See schmiegt. Hindus, Buddhisten und Sikhs verehren diesen Ort gleichermaßen. Hoch über der Stadt wacht die gewaltige Statue Padmasambhavas.
10. Tag: Rewalsar - Amritsar / ca. 265 km
265 Kilometer hören sich nicht nach einer besonderen Herausforderung an. Doch in Indien gelten andere Maßstäbe. Besonders in den Bergen warten hinter jeder Kurve neue Überraschungen, und so werden auch heute wieder einige Stunden im Sattel vergehen. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich unser Tagesziel Amritsar, die geistige Heimat der Sikhs.
11. Tag: Amritsar
Amritsar ist eine lebhafte Stadt. Der Verkehr stellt alles in den Schatten, was man als Europäer gewohnt ist oder sich auch nur vorstellen kann. Wir lassen die Motorräder am Hotel stehen und machen uns zu Fuß auf den Weg. Unser Ziel ist das Wahrzeichen der Stadt, der Harmandir Sahib, besser bekannt als der Goldene Tempel.
Der Kontrast könnte kaum größer sein. Draußen tobt der indische Alltag, innerhalb der Mauern des Tempelareals herrscht besinnliche Stille. Religiöse Gesänge schweben über dem heiligen See im Zentrum der Tempelanlage. Schweigend schreiten die Gläubigen am Ufer entlang, einige nehmen ein heiliges Bad, andere sitzen in stiller Versenkung auf den weißen Marmorstufen, wieder andere reihen sich geduldig in die Schlange der Wartenden ein, um das Innere des Goldenen Tempels zu betreten.
12. Tag: Amritsar - Sri Ganganagar / ca. 275 km
Wir verlassen Amritsar und fahren weiter gen Süden. Unser nächstes Ziel ist Rajasthan. Da die Strecke bis Bikaner für einen Tag zu lang wäre, legen wir einen Zwischenstopp in Sri Ganganagar ein. Die Landschaft verändert sich nun spürbar. Die Berge liegen hinter uns, und wir tauchen ein in die weiten Ebenen des Punjab.
13. Tag: Sri Ganganagar - Bikaner / ca. 240 km
Heute erreichen wir Bikaner, unseren ersten Stopp in Rajasthan. Der Wechsel der Landschaft kündigt sich schon lange vor der Ankunft an. Rajasthan ist ein Wüstenstaat, doch die typische Dünenlandschaft beginnt erst weit im Westen. Zunächst weicht die üppige Vegetation des Punjab mehr und mehr einer kargen Landschaft aus Geröll, Sand und spärlichem Buschwerk. Gelb, Grau und ein blasses Grün bestimmen nun das Landschaftsbild.
14. Tag: Bikaner
Drei Dinge machen Bikaner besonders. Da ist zunächst das prächtige Junagarh-Fort, dessen Besuch natürlich fest auf unserem Programm steht. Dann das lebendige Treiben in der Stadt. Vor allem das Geschehen am zentralen Bahnübergang zu beobachten, ist ein Heidenspaß. Schließlich wohnen wir in einem Hotel, das einst der Wohnsitz eines hohen Ministers des Maharadschas war und in dem wir uns fühlen werden wie in einem Museum. Ein Nachfahre des Ministers hat das Anwesen in ein Hotel umgewandelt. Sein Ziel war es, die Atmosphäre vergangener Zeiten wieder aufleben zu lassen – und das ist ihm wahrlich gelungen.
15. Tag: Bikaner - Jodhpur / ca. 250 km
Weiter geht's ins Innere Rajasthans. Doch bevor wir uns auf den Weg nach Jodhpur machen, steht noch ein ganz außergewöhnlicher Punkt auf unserer To-do-Liste. Etwa 30 Kilometer hinter Bikaner erreichen wir Deshnok, einen kleinen, staubigen Wüstenort. Hier befindet sich ein Tempel, der in ganz Indien bekannt ist: der Karni-Mata-Tempel.
Die Stars des Karni-Mata-Tempels sind Ratten – heilige Ratten. Zu Hunderten huschen sie über den Tempelhof, krabbeln über Mauern und Treppen und fressen genüsslich aus großen Schalen all die Leckereien, die ihnen die Tempeldiener vorsetzen. Die Tierchen kennen keinerlei Scheu. Sie wissen offenbar ganz genau, dass sich hier alles um sie dreht. Krabbelt einem eine Ratte über die Füße, gilt das als Zeichen besonderen Glücks. Und sollte es sogar eine weiße Ratte sein, braucht man sich um seine Zukunft angeblich keine Sorgen mehr zu machen. Ich habe allerdings noch nie eine weiße Ratte zu Gesicht bekommen, und von meinen Füßen haben sich die Tierchen bislang ebenfalls ferngehalten. Schade eigentlich.
16. Tag: Jodhpur
Nachdem wir den Morgen entspannt an unserem wunderschönen Hotelpool verbracht haben, steht der Besuch des Mehrangarh-Forts auf dem Programm. Das Mehrangarh-Fort ist eine gewaltige, hervorragend erhaltene Palastanlage. Der Maharadscha hat zahlreiche Auszeichnungen dafür erhalten, dass er seinen Besuchern auf vorbildliche Weise die Geschichte des Palastes und der Stadt näherbringt. Besonders zu empfehlen ist der Audio-Guide, den man für wenige Rupien ausleihen kann.
Anschließend besuchen wir das aus weißem Marmor errichtete Jaswant Thada Memorial. Irgendwie hat man sofort das Gefühl, so etwas schon einmal gesehen zu haben. Nicht zufällig wird dieser Bau deshalb auch als das Taj Mahal von Jodhpur bezeichnet.
Der eigentliche Höhepunkt – zumindest für Feinschmecker – ist jedoch das Makhani Lassi im Shri Mishrilal Hotel. Kenner behaupten, es sei das beste Lassi ganz Indiens. Ich bin gespannt auf Euer Urteil.
Übrigens: Lasst Euch vom Namen nicht irritieren. In Indien nennt sich so manches Restaurant "Hotel", obwohl man dort kein Zimmer mieten kann.
17. Tag: Jodhpur - Pushkar / ca. 185 km
Wir befinden uns nun mitten in der Wüstenlandschaft Rajasthans. Ringsum bestimmen Sand und Geröll das Bild. Die einzigen Farbtupfer sind die Frauen in ihren leuchtenden Saris, die sich wie bunte Blumen vom Gelb und Grau der Landschaft abheben.
Schon am frühen Nachmittag erreichen wir Pushkar – das heilige Pushkar.
18. Tag: Pushkar
Pushkar, heiliges Pushkar.
Aus ganz Indien pilgern gläubige Hindus nach Pushkar, um wenigstens einmal in ihrem Leben ein reinigendes Bad im heiligen See zu nehmen. Rund um das Gewässer drängen sich etwa 400 Tempel. Obwohl Brahma in der hinduistischen Mythologie als Schöpfer des Universums gilt, steht nur hier, in Pushkar, ein Tempel, der ihm geweiht ist. Warum das so ist, ist eine lange Geschichte, die ich Euch ein andermal erzählen werde.
Doch nicht nur gläubige Hindus zieht es nach Pushkar. Auch Backpacker aus aller Welt haben den kleinen Ort längst für sich entdeckt. Ein angenehmer Nebeneffekt: Man bekommt hier ausgezeichnete Pizza – allerdings nur vegetarische. Überhaupt gibt es in Pushkar ausschließlich vegetarische Speisen, und Alkohol ist streng verboten. Auch das hat religiöse Gründe.
Schließlich ist Pushkar ein wahres Shoppingparadies. Viele der bunten Hemden, Hosen und Tücher, die man in einschlägigen Läden rund um den Globus findet, stammen aus Pushkar. Neben Pilgern und Backpackern prägen deshalb auch Händler aus aller Welt das Bild der Stadt.
Ein wahrhaft buntes Treiben.
19. Tag: Pushkar - Jaipur / ca. 145 km
Nach Jaipur sind es nur zwei oder drei Stunden Fahrzeit. Wir haben also am Nachmittag noch ausreichend Zeit, durch die Altstadt zu schlendern und das rege – nein, besser: das hektische Treiben auf uns wirken zu lassen. Natürlich kommen wir auch am berühmten Palast der Winde vorbei, und wer möchte, kann den Stadtpalast besichtigen. Außerdem gibt es in Jaipur einige berühmte Lassi-Läden.
Jaipur gilt als eine der großen Sehenswürdigkeiten Rajasthans. Nach meinem persönlichen Geschmack wird die Stadt allerdings etwas überschätzt. Ein halber Tag reicht aus, um ihre Atmosphäre kennenzulernen und sich ein eigenes Urteil zu bilden.
20. Tag: Jaipur - Agra / ca. 240 km
Heute ist unser letzter Tag in Rajasthan. Wir machen uns auf den Weg nach Agra und werden unser Tagesziel voraussichtlich erst gegen Abend erreichen. Der Highway zwischen Jaipur und Agra ist zwar hervorragend ausgebaut, entsprechend hoch ist jedoch auch das Verkehrsaufkommen. Macht Euch also auf eine lange und anstrengende Fahrt gefasst.
21. Tag: Agra - Gwalior / ca. 120 km
Früh morgens klingelt der Wecker. Wir müssen noch vor Sonnenaufgang am Taj Mahal sein. Zum einen ist dies die schönste Zeit, das Taj Mahal im Licht der aufgehenden Sonne zu erleben, zum anderen ist um diese Uhrzeit der große Besucheransturm noch nicht angekommen. Später ist das Taj Mahal meist hoffnungslos überlaufen, und ein Besuch macht längst nicht mehr so viel Freude.
Nach dem Besuch des Taj Mahal fahren wir zunächst zurück zum Hotel und stärken uns beim Frühstück. Anschließend machen wir uns auf den Weg nach Gwalior. Da die Etappe heute nicht allzu lang ist, bleibt uns am Nachmittag genügend Zeit, die gewaltige und dennoch kaum bekannte Festungs- und Palastanlage von Gwalior in aller Ruhe zu erkunden.
22. Tag: Gwalior - Orchha / ca. 120 km
Wir verlassen Gwalior und fahren in das Pilgerstädtchen Orchha. Orchha strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus. Auf den Straßen sitzen und liegen Pilger in ihren orangefarbenen Gewändern. Sie essen, singen, beten oder tun einfach das, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Sie geben sich ganz ihrem Glauben hin. Ihr Gott Rama, dem der bedeutendste Tempel Orchhas geweiht ist, wird es schon richten. Von überall erklingen religiöse Gesänge. Alles scheint hier ein wenig langsamer zu gehen. Ich bin sicher, auch Ihr werdet automatisch einen Gang herunterschalten.
Doch Orchha hat weit mehr zu bieten als Sadhus und den Rama-Tempel. Wir entdecken eine gewaltige Palastanlage, einen heiligen Fluss, die eindrucksvollen Königsgräber und vieles mehr. Langweilig wird Euch in Orchha garantiert nicht.
23. Tag: Orchha - Sanchi / ca. 285 km
Im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung war ein großer Teil Indiens buddhistisch geprägt. Dazu trug nicht zuletzt Kaiser Ashoka bei. Nach einer blutigen Eroberung soll er dem Krieg abgeschworen und sich dem Buddhismus zugewandt haben. Anschließend ließ er im ganzen Land Säulen errichten, auf denen die Grundzüge seiner Politik und seiner Lehre festgehalten wurden. Diese sogenannten Ashoka-Säulen gehören heute zu den bekanntesten Zeugnissen seiner Herrschaft.
Sanchi war damals eines der bedeutendsten buddhistischen Zentren Indiens. Noch heute sind zahlreiche der vor über 2.000 Jahren errichteten Heiligtümer erhalten, allen voran die berühmten Stupas. Sie zählen zu den ältesten und bedeutendsten Zeugnissen buddhistischer Kultur in Indien.
24. Tag: Sanchi - Maheshwar / ca. 330 km
Die nächsten beiden Tage sind Kilometerfressen. Wir müssen eine ganze Ecke Richtung Süden zurücklegen. Zum Glück liegt mit Maheshwar ungefähr auf halber Strecke ein lohnender Zwischenstopp. Die kleine Stadt am Ufer der Narmada beeindruckt mit einem sehenswerten Palast und einer wunderschönen Lage. Hier werden wir die Nacht verbringen.
25. Tag: Maheshwar - Ajanta / ca. 260 km
Wir setzen unser Kilometerfressen fort und erreichen gegen Abend unser nächstes Ziel, Ajanta. Was uns dort erwartet, gehört zu den beeindruckendsten Zeugnissen der indischen Kulturgeschichte.
26. Tag: Ajanta
Für mich ist der Besuch der Höhlen von Ajanta einer der Höhepunkte dieser Reise. Über viele Jahrhunderte, vom 2. bis zum Ende des 7. Jahrhunderts, lebten buddhistische Mönche in einem abgelegenen Tal nahe der heutigen Kleinstadt Ajanta. In mühevoller Handarbeit schufen sie insgesamt 29 Höhlentempel, die sie direkt aus dem Fels herausarbeiteten.
Die Höhlen befinden sich in ganz unterschiedlichem Erhaltungs- und Fertigungszustand. Einige sind reich mit Steinmetzarbeiten verziert und mit beeindruckenden Wandmalereien geschmückt. Andere wurden nie vollendet. Als der Buddhismus ab dem 7. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung verlor und den Mönchen immer stärkere Feindseligkeit entgegenschlug, mussten sie das Tal verlassen. Damit endeten auch die Arbeiten an den Höhlentempeln.
27. Tag: Ajanta - Ellora / ca. 100 km
Ganz in der Nähe, nur etwa zwei Fahrstunden von Ajanta entfernt, finden wir in Ellora weitere 34 Höhlentempel. Anders als in Ajanta wurden sie nicht nur von Buddhisten, sondern auch von Hindus und Jains geschaffen.
Besonders fesselt jedoch der Kailash-Tempel unsere Aufmerksamkeit. Schon von Weitem erkennt man den oberen Teil des Tempels. Man ahnt, dass etwas Außergewöhnliches auf einen wartet. Doch erst wenn man durch das Eingangstor tritt, verschlägt es einem die Sprache. Ich weiß noch genau, wie es mir bei meinem ersten Besuch erging. Es war, als hätte mich der Anblick wie ein Blitz getroffen. Die Dimension dieses Bauwerks lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Ich stand einfach nur da und fragte mich: Wie ist so etwas überhaupt möglich?
Der Kailash-Tempel gilt als der größte vollständig aus einem einzigen Felsmassiv herausgearbeitete Tempel Indiens. Nach wissenschaftlichen Schätzungen waren über einen Zeitraum von mehr als hundert Jahren Tausende Arbeiter, Steinmetze und Künstler an seinem Bau beteiligt. Eine organisatorische, handwerkliche und künstlerische Meisterleistung.
28. Tag: Ellora - Panchgani / ca. 355 km
Heute liegt wieder eine längere Etappe vor uns. Am Nachmittag erreichen wir die Bergwelt der Western Ghats, jenes langgestreckten Gebirgszuges entlang der Westküste, der das Hochland des Deccan nach Westen hin begrenzt. Mit dem satten Grün kehren auch die Kurven zurück. Ab jetzt wird das Motorradfahren noch einmal anders – flüssig, kurvenreich und einfach ein Genuss.
29. Tag: Panchgani - Kolhapur / ca. 170 km
Auch heute fahren wir weiter durch die Western Ghats. Nach den langen Geraden der vergangenen Tage macht das kurvenreiche Auf und Ab wieder richtig Spaß. Die Landschaft ist grün, das Klima angenehm, und wir können den Tag ganz entspannt auf dem Motorrad genießen, bevor wir am Nachmittag Kolhapur erreichen.
30. Tag: Kolhapur - Goa / ca. 235 km
Schließlich verlassen wir die Berge und erreichen Goa, die ehemalige portugiesische Kolonie und das einstige Hippie-Paradies. Von beidem ist heute nicht mehr allzu viel zu spüren. Die Inder haben sich ihr Urlaubsparadies längst zurückerobert.
31. Tag: Goa
Heute ist Entspannen angesagt. Ein ruhiger Tag am Strand, ein Drink (oder auch mehrere) in einem der gemütlichen Strandcafés, ein Bummel durch die kleinen Geschäfte oder einfach ein Spaziergang am Meer – Hauptsache, wir genießen diesen Tag der Ruhe. Und das ausnahmsweise einmal ohne unsere Enfields.
32. Tag: Goa - Hampi / ca. 315 km
Jetzt geht es wieder weiter. Gut erholt und frisch gestärkt nehmen wir heute stolze 315 Kilometer unter die Räder. Wir verlassen die Küste und fahren landeinwärts nach Hampi – einem der außergewöhnlichsten Orte Indiens.
33. Tag: Hampi
In Hampi sieht es so aus, als hätten sich in grauer Vorzeit Riesen im lustigen Spiel gegenseitig mit Felsbrocken beworfen. Überall liegen diese riesigen Felsblöcke, einzeln oder zu gewaltigen Haufen aufgetürmt. Und mittendrin stehen große und kleine Tempelanlagen sowie die Überreste von Palästen und Stallungen.
Die Bauwerke stammen aus der Zeit, als Hampi Hauptstadt des mächtigen Königreiches Vijayanagar war – von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Alles zu entdecken, ist an einem einzigen Tag nahezu unmöglich. Doch schon ein Spaziergang durch die weitläufige Anlage vermittelt einen guten Eindruck von der einstigen Größe dieser Stadt.
34. Tag: Hampi - Chitradurga / ca. 140 km
Weiter geht es nach Süden. In Chitradurga legen wir einen Zwischenstopp ein. Gleich gegenüber von unserem Hotel erhebt sich auf einem knapp 1.000 Meter hohen Granitfelsen das Chitradurga-Fort, eine gewaltige Festungsanlage aus der Zeit des Vijayanagar-Reiches.
Eine historische Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie eindrucksvoll sich die Festung einst über der Landschaft erhob.
35. Tag: Chitradurga - Belur / ca. 165 km
Belur ist berühmt für den im 12. Jahrhundert erbauten Chennakesava-Tempel, eines der bedeutendsten Bauwerke der Hoysala-Architektur. Je näher man kommt, desto mehr Details entdeckt man. Unzählige filigrane Figurenreliefs schmücken die Außenwände, und im Inneren ziehen vor allem die kunstvoll gedrechselten Specksteinsäulen die Blicke auf sich.
Nach den gewaltigen Tempeln und Festungen der vergangenen Tage beeindruckt Belur auf ganz andere Weise. Hier sind es nicht monumentale Ausmaße, sondern die unglaubliche Detailfülle der Steinmetzarbeiten, die den Besucher in ihren Bann zieht.
36. Tag: Belur - Shravanabelagula - Mysore / ca. 175 km
Auf unserer Fahrt nach Mysore machen wir einen Abstecher nach Shravanabelagola, einem der wichtigsten Pilgerzentren des Jainismus in Indien. Hoch oben auf einem Berg befindet sich ein Jain-Heiligtum mit der gewaltigen Gomateshwara-Statue.
Der Aufstieg führt über zahlreiche in den Fels gehauene Stufen. Schuhe sind nicht erlaubt, barfuß ist der Fels jedoch meist viel zu heiß – deshalb erklimmen wir den Berg auf Strümpfen.
37. Tag: Mysore
In Mysore residiert noch immer ein waschechter Maharadscha in seinem Palast. Der größte Teil des Palastes ist zwar für Besucher zugänglich, doch irgendwo lebt er dort noch immer mit seiner Familie. Zu besonderen Anlässen, darunter auch jeden Sonntagabend um 19:00 Uhr, wird der Palast von Tausenden Glühbirnen erleuchtet. Aber auch bei Tageslicht ist er ein beeindruckender Anblick.
Der Palast wurde 1912 fertiggestellt und nach Plänen des britischen Architekten Henry Irwin erbaut. Er vereint traditionelle hinduistische, indisch-islamische, rajputische und europäische Architekturelemente. Sein Grundriss erinnert an den Buckingham Palace in London.
Ansonsten ist Mysore eine lebhafte Metropole mit vielen kleinen und großen Märkten sowie einer Straße, in der sich mehrere ausgezeichnete Kaffeeröstereien befinden. Ja, auch im Teeland Indien wird Kaffee angebaut – und zwar im nahegelegenen Coorg. In Mysore wird er weiterverarbeitet und geröstet.
Nur knapp fünf Kilometer entfernt erhebt sich auf dem Chamundi Hill die größte aus einem einzigen Felsblock gehauene Nandi-Statue Indiens. Nandi ist der heilige Stier und das Reittier des Gottes Shiva.
38. Tag: Mysore - Ooty - Mettupalayam / ca. 175 km
Die Fahrt von Mysore nach Mettupalayam führt uns durch ganz unterschiedliche Landschaften Südindiens. Zunächst durchqueren wir ein großes Naturschutzgebiet. Anschließend erklimmen wir auf einer herrlich kurvenreichen Nebenstrecke die Nilgiris, einen Gebirgszug der Western Ghats. Dieser Streckenabschnitt gehört für mich zu den schönsten Motorradtagen der gesamten Reise – vielleicht steht er sogar ganz oben auf der Liste.
In Ooty, einer ehemaligen britischen Hill Station, legen wir eine kurze Rast ein. Einst entkamen hier die britischen Kolonialbeamten der Hitze des Tieflands, heute verbringen vor allem wohlhabende Inder ihre Sommerfrische in dem angenehmen Höhenklima. Berühmt ist Ooty außerdem für seine „Home Made Chocolate“. In den kleinen Geschäften der Stadt wird sie in unzähligen Varianten angeboten, und natürlich werden wir es uns nicht entgehen lassen, die eine oder andere zu probieren.
Danach geht es auf der anderen Seite der Nilgiris über unzählige Kurven wieder hinunter ins Tal nach Mettupalayam.
39. Tag: Mettupalayam - Munnar / ca. 190 km
Nun erreichen wir die Welt des Tees und der Gewürze. Von hier stammt ein großer Teil des Reichtums Keralas, und genau dieser Reichtum zog einst die europäischen Kolonialmächte an, die der Meinung waren, er gehöre eigentlich ihnen.
Stunde um Stunde sind wir nun von Teeplantagen umgeben, sehen vielleicht zum ersten Mal, wie Kardamom und Pfeffer wachsen, und können – wenn es die Zeit erlaubt – in einer Teefabrik verfolgen, welchen Weg das belebende Getränk von der Teepflanze bis in unsere Tassen zurücklegt.
Die Straßen sind in gutem Zustand, herrlich kurvig und manchmal auch recht schmal – besonders dann, wenn uns einer der großen Busse entgegenkommt.
40. Tag: Munnar - Madurai / ca. 155 km
Die Fahrt führt uns noch eine Weile durch die Teeplantagen, bevor wir am Nachmittag Madurai erreichen. Hier befindet sich eine der größten und bedeutendsten hinduistischen Tempelanlagen Südindiens.
Während große Teile Nordindiens über Jahrhunderte von islamischen Eroberungen geprägt wurden, blieb Tamil Nadu davon weitgehend verschont. Viele religiöse Traditionen konnten sich deshalb hier besonders gut erhalten. Kaum irgendwo lässt sich das eindrucksvoller erleben als im Meenakshi-Tempel von Madurai.
41. Tag: Madurai - Kanyakumari / ca. 245 km
250 Kilometer liegen noch vor uns, dann erreichen wir unser Ziel: Kanyakumari, den südlichsten Punkt des indischen Festlands. Wir haben es geschafft. Wir sind einmal durch ganz Indien gecruist – von den Pässen des Himalaja bis zu dem Ort, an dem sich drei Meere treffen und der deshalb für gläubige Hindus als besonders heilig gilt. Im Süden liegt der Indische Ozean, im Osten der Golf von Bengalen und im Westen das Arabische Meer.
Gegen 20 Uhr findet im Tempel gewöhnlich die Abendpooja statt, eine religiöse Zeremonie, an der normalerweise nur Hindus teilnehmen dürfen. Nur hier ist es auch Nicht-Hindus gestattet, das Heiligtum zu betreten und an dem Ritual teilzunehmen. Männer dürfen den Tempel allerdings nur mit freiem Oberkörper betreten, während für Frauen diese Vorschrift nicht gilt. Mit einem roten Punkt auf der Stirn verlassen wir den Tempel und lassen den Erfolg unserer Reise bei einem gut gekühlten Kingfisher-Bier ausklingen.
42. Tag: Kanyakumari - Varkala / ca. 140 km
Jeden Morgen strömen Hunderte, oft Tausende Menschen zur Südspitze des Landes und fiebern dem Sonnenaufgang entgegen. Natürlich werden auch wir früh die Federn verlassen und dieses Schauspiel erleben. Mit einem großen Ah und Oh werden die ersten Sonnenstrahlen begrüßt. Danach geht es zum Frühstück und zur letzten Etappe unserer großen Reise. In Varkala angekommen, checken wir im Hotel ein, geben die Motorradschlüssel ab und atmen erst einmal tief durch.
Welch ein Erlebnis! Und welch ein wunderbarer Ort, diese Reise ausklingen zu lassen. Zum Abendessen besuchen wir eines der zahlreichen Restaurants auf dem Kliff und genießen fangfrischen Fisch mit Blick auf das Arabische Meer. Wenn die letzten Gläser geleert sind, geht es zurück ins Hotel. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Ihr in dieser Nacht in Euren Träumen noch einmal ganz oben in Srinagar beginnt und die gesamte Reise noch einmal erlebt.
43. Tag: Varkala
Carpe diem
Nutzt den Tag! Genießt den Augenblick! Varkala bietet unzählige Möglichkeiten, die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen: gutes Essen, eine erholsame Ayurveda-Massage, Yoga auf dem Hoteldach, ein Bad im warmen Arabischen Meer, ein Spaziergang am Strand oder einfach ein kühles Getränk in einem der kleinen Cafés auf dem Kliff – ganz so, wie Ihr es möchtet.
44. Tag: Varkala
Alles geht irgendwann zu Ende – auch eine Reise wie diese. Heute ist es soweit. Beim letzten gemeinsamen Abendessen lassen wir die vergangenen Wochen noch einmal Revue passieren. Dann heißt es Abschied nehmen. In der Nacht bringt Euch der Flieger zurück in die Heimat.
45. Tag: Heimflug
Ich könnte mir vorstellen, dass Ihr nun so richtig Appetit auf Indien bekommen habt und dies nicht Euer letzter Besuch in diesem faszinierenden Land war.
Bis bald – Namasté
Streckenkarte
Tour-Infos & Leistungen
- Gesamtstrecke ca. 6.345 km
- 34 Fahrtage
- 40 x Übernachtung im Hotel
- 1 x Übernachtung im Zelt
- 2 x Übernachtung im Hausboot
- 43 x Frühstück
- 43 x Abendessen
- Royal Enfield Classic 500cc (im Reisepreis enthalten)
- Royal Enfield Himalayan 411 (Option)
- Royal Enfield Himalayan 450 (Option)
- Betriebsstoffe (Benzin/Öl)
- Service-Fahrzeug
- Mechaniker-Service
- Tourguide auf dem Motorrad
- Nat. Flug: Delhi - Srinagar
- Flughafentransfer: in Srinagar und Trivandrum
- min: 4 - max: 12 FahrerInnen
Termine & Preise
05.09.2027 - 19.10.2027
- FahrerIn: 6.500,00 €
- BeifahrerIn: 5.600,00 €
- EZ-Zuschlag: 900,00 €
- Royal Enfield Himalayan 411: 350,00 €
- Royal Enfield Himalayan 450: 500,00 €
Buchungsschluss: 11.07.2027
WofI-Telegramm
Indien verstehen, bevor du buchst.
Berichte, klare Einschätzungen
und ehrliche Einblicke aus über
25 Jahren Erfahrung in Indien.
HanseMerkur
Wir empfehlen den Abschluss
einer Reiseversicherung
Das könnte Dich auch interessieren:
Nepal - Mystic Mountains
Varkala - Goa
Tropisch-exotisches Süd-Indien
Goa - Varkala
Südindien - Coast to Coast
Rajasthan - Der Wüstenstaat
Ma-Ka-Go-Ma
Heart of India
Spiti-Valley